Jeder Fleck wird bebaut

Man möchte heulen. Wie es scheint kennt die Geldgier keine Grenzen. Jeder Flecken Hamburgs muss bebaut werden. Vor gut zwei Jahren war es noch an dieser Stelle Spekulation, nun ist es Realität - und meine Magensäure-Produktion schiebt eine Sonderschicht.

Der so genannte Moltkeblock soll nachsaniert werden. Der riesige, wunderschöne Innenhof soll zugebaut werden. Angeblich “behutsam”, so die GAL. GAL? Wer war das noch mal? Ach ja, die die einst für Grün standen …

Lasst doch einfach mal der Natur Raum. Der Natur und den Menschen. Es muss nicht jeder Baum gefällt werden, nur weil Ihr es könnt! Immer diese Gier nach Geld. :nene:

So schön praktisch

Zugegeben, in anderen Ländern ist es schlimmer. Aber wir sind nicht in einem anderen Land, wir sind hier. Und man kann durchaus sagen, dass die hiesige Medienlandschaft ziemlich einseitig ist. Bestimmt in 80 bis 90 Prozent der Fälle ist es ganz klar, auf welcher Seite die Presse steht. Unabhängig ist ein Wort, das geduldig auf manchem Blatt prangt, aber im Grunde keine Bedeutung hat. Nicht umsonst heißt das Senatsblatt Senatsblatt. Das weiß noch eher von politischen Dingen als die Politiker selber. So, wie das Fischeinwickelblatt mit dem roten Logo zuerst mit den Toten sprach, so ist das Senatsblatt auch stets exklusiv informiert. Keine andere Zeitung scheint so gut mit frischen Infos aus dem Rathaus versorgt zu werden.

Unserem jetzigen Senat, den wir seit nun schon beinahe neun lange und quälende Jahre erdulden müssen, den freut’s. Das Senatsblatt ist ein verlässliches Sprachrohr. Wenig Kritik. Das ist die Geschichte mit den schwarzen Krähen, die sich gegenseitig kein Auge aushacken.

Im Senatsblatt — das ich aus bekannten Gründen nicht mehr verlinken kann, weil die so dumm waren und ihre Artikel nur noch gegen Geld freigeben — steht ein Bericht über den Parlamentspräsidenten der Hamburgischen Bürgerschaft und warum er nicht seinen Hut genommen hat. Trotz seines vermuteten Amtsmissbrauchs. Wie schon erwähnt, habe ich nicht eine Sekunde an einen Rücktritt gedacht. Das machen die nicht, die Krähen …

WindschiefIn dem Bericht steht am Ende ein netter Satz, wonach der Parlamentspräsident auch Geschäftsführer des Verbandes der Zeitungsverlage Norddeutschland ist. Ach. Wie praktisch! Laut der Seite des Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e. V. (übrigens einen Steinwurf von dem Berliner Hauptsitz des Senats- und Fischeinwickelblatts entfernt gelegen) sind diese Zeitungen und Verlage Mitglieder in der Norddeutschland-Abteilung, von der der Parlamentspräsident “Cheffe” ist. Er ist übrigens auch Geschäftsführer der Hamburg-Abteilung und dort sind diese Zeitungen Mitglieder.

Na … Das ist ja man praktisch alles.

Sonderbehandlung

Seit Wochen ist es in Hamburg verflixt kalt. Es hat geschneit, die Menschen sind auf dem Schnee rumgelaufen, haben ihn platt- und glattgetreten. Überall in der Hansestadt hat sich das Eis breitgemacht. Und seien wir mal ehrlich, Hand aufs Herz: die Stadt - resp. die Stadtreinigung - hat völlig versagt. Es wurden die Hauptstraßen für die Autos geräumt und gesalzen, doch Nebenstraßen, Fuß- oder Radwege ließen die Stadtreinigung kalt. Da wurde nichts gemacht.

Mit einer Ausnahme!

Der Parlamentspräsident der Hamburgischen Bürgerschaft hat die Sache in die Hand genommen und seine kleine Wohnstraße räumen lassen. Mit großem Aufgebot. Mancher würde es Initiative nennen, mancher Amtsmissbrauch, der Präsi nennt es selber Nächstenliebe. Na schön, so hat er es dann doch nicht genannt — ich dachte nur wegen des Cs im Parteiname. Aber so war es gedacht — sagt er. Nachdem man ihn erwischt hatte. Den Räumdienst habe er natürlich nur für die Menschen im benachbarten Gemeindehaus gerufen. Dann aber richtig. Bis nach ganz oben hat er sich durchtelefoniert. Man hat ja die Nummern. Man kennt sich.

Nachdem die Aktion bekannt wurde, wurden mal eben 1.000 Euro ans Rote Kreuz gespendet. Wieso? Angeblich habe er den Dienst doch gar nicht für sich gerufen. Doch so was wie “schlechtes Gewissen”? Kann doch nicht sein.

Heute dann die Erkenntnis — nach langem Schweigen —, dass das Handeln wohl ein bisschen anmaßend war. Oder dumm, dass er seine Straße erwähnte. Immerhin ging es ihm doch um alle Straßen Hamburgs! Ja-ha. Und einen persönlichen Vorteil wollte er auf gar keinen Fall davontragen. Nei-hein. — Und wieso die 1.000 Euro? Und das lange Schweigen?

Dass ein Rücktritt nicht in Frage käme — war im Voraus klar …

Es geht doch — irgendwie

JungfernstiegInteressanter Nebenschauplatz: Während in ganz Hamburg Fuß- und Radwege nicht geräumt wurden, sich die Hamburger alle Gräten gebrochen haben und die Öbersten zum Thema Radwege sogar so herablassend und dumm behauptet haben, Radwege seien nicht verkehrswichtig, musste ich schon seit einiger Zeit feststellen, dass ein Radweg sehr wohl geräumt wurde. Nicht erst jetzt, sechs Wochen nach dem Nichtstun und einem plötzlichen Hauruck-Verfahren (Nun muss aber mal was passieren. Wir haben mal was für euch Bürger getan. Ging ja nicht an das. Bitte feiert uns jetzt …), sondern bereits seit einigen Wochen. Der Radweg am Jungfernstieg, hin zur Binnenalster, der wurde geräumt, gefegt, gesalzen. Und ich habe mich stets gefragt “Warum?”.

Das ist nun wirklich einer der unwichtigsten Radwege! Wer fährt denn da?? Lustigerweise wurde der Fußweg nebenan so gut wie nicht geräumt. Das nenne ich mal verkehrte Welt!

Büttenrede

Hamburgs Spaß-EB denkt an Rücktritt. Naja, also eigentlich nicht. Er werde rechtzeitig vor der nächsten Wahl ansagen, ob er kandidieren wolle oder nicht, so Hamburgs Oberhirte in der Welt, was wiederum im Senatsblatt steht (Und somit nicht verlinkt werden kann. Ätsch, selber Schuld, Senatsblatt!) Die Überschrift zu diesem - öhh - Artikel spricht jedenfalls von Rückzug. Da fingen meine Äuglein an zu leuchten, als ich das las. Das wäre was.

Aber es ist ja nur wieder das übliche “Hintertür offen halten”. Falls es dann doch zu brenzlig werden würde in zwei Jahren und selbst das Senatsblatt nichts mehr vertuschen oder schönreden könnte, dann hätte er das ja schon 2010 gesagt, das mit dem Rückzug.

In dem Senatsblatt-Artikel gibt sich der Spaß-EB mal wieder absolut unterwürfig und menschelt. Wir kennen die Meldung, wonach Hamburgs Allvater auch schon mal gerne bei Aldi einkaufen geht. “Seht her, ich bin einer von Euch!”. Jetzt die Aussage, er sei nicht süchtig nach Macht Politik. Er könne auch ohne.

Das war der erste Lacher des Tages. *tätä-tätä* Der Spaß-EB und nicht süchtig? Wer hat denn all die Prestige- und Leuchtturm-Objekte ins Leben gerufen? An wen dürfen noch kommende Generationen zähneknirschend denken, wenn sie an der leeren Elbdisharmonie oder einem anderen Millionengrab wie der unnützen U4 vorbeilaufen? Das sind doch alles Denkmäler für jemanden, der sich unbedingt verewigen will. Na, wenn das mal nicht eine Sucht ist.

In dem kurzen Beitrag im Senatsblatt heißt es dann im letzten Absatz, der Spaß-EB kritisiere die Bundesvorsitzende seiner Partei - die nebenbei noch Kanzleuse ist. Der Freiherr schätze sie zwar, aber bemängelt, wie vorsichtig sie sei. Da wäre er ja ganz anders. — Zweiter Lacher. *tätä-tätä*

Entschuldigung, schon mal in den Spiegel geschaut? Behauptet der Mann allen Ernstes, er wäre der Rambo der Politik? Was für eine verzerrte Selbstwahrnehmung! Hamburgs Spaß-EB ist es doch, der stets abwesend ist, wenn es in Hamburg kritisch zugeht. Er hält sich doch aus allem raus. Sahen wir ihn nicht schon bei für ihn unangenehmen Situationen in Hamburgs Bürgerschaft aufstehen und aus dem Raum gehen? Und dann kritisiert er die Kanzleuse? Die hat doch die Wegduck-Politik von ihm abgeschaut!

Oh, vermutlich meint er die paar Male, wo wirklich nichts mehr ging, wo das Kartenhaus einzustürzen drohte und er mal - ganz Macho - mit der Faust auf den Tisch gehauen hat. Eine Geste, die so gerne in der Presse beschrieben wird. Wahrscheinlich hat nicht nur er sich in diesen seltenen Momenten erschrocken.

Und wie schaut es nun mit dem Rückzug aus? Nachdem der EB mit seiner an den Menschen vorbeigehenden Politik selbige immer und immer wieder vor den Kopf gestoßen hat, würde es eigentlich - in einer logischen Welt - nur Sinn machen, träte der EB in zwei Jahren nicht wieder an. Aber dafür haben wir ja die “unabhängige Presse”, die vor der nächsten Wahl wieder alles schön redet. Auf dass die dummen Schafe wieder zur Schlachtbank trotten und ihre Kreuze erneut bei ihm machen. *seufz* Was man doch mit den Medien im Rücken alles machen kann …

Oder denkt der Kapitän daran, langsam das sinkende Schiff zu verlassen? Genügend Schaden hat er - und sein Senat - ja schon angerichtet.

Es wäre der Klassiker: Alles kaputt machen und dann einen Scherbenhaufen an die nächste Regierung übergeben. Die können dann erst einmal die Tassen wieder behelfsmäßig zusammenkleben und die Schwarzen stellen sich höhnisch lachend hin und spotten, dass die Nachfolger ja gar nichts hinbekommen, nicht einmal eine einfache Teerunde.