Top 8

Auch 2013 geht langsam dahin und macht Platz für eine neues, frisches Jahr. Das alte hatte natürlich Medien zu bieten, die hier in gewohnter Weise – und loser Folge – aufgeführt werden. Wie im Jahr zuvor gilt auch diesmal: Ja, ich habe Bücher gelesen. Aber die waren eher nicht erwähnenswert oder Fachliteratur. Daher keine Liste für Bücher. Oh, wartet mal, einen habe ich doch:

Lesen
Die Batman-Storyline um den Court of Owls von Scott Snyder (DC Comics)
Filme
Man of Steel (Warner Bros., Legendary Pictures, Syncopy)
Gravity (Warner Bros., Esperanto Filmoj, Heyday Films)
Silver Linings (The Weinstein Company)
Pawn Shop Chronicles (Anchor Bay Films, Mimran Schur Pictures, Suretone Pictures)
Musik
“Lightning Bolt” von Pearl Jam – klassisch, rockig, solide, gut
“Even the Odd Ones Out” von ME the band – pompös, schrill, schräg
“Paramore” von Paramore – frech, laut, leise
“The Temperance Movement” von The Temperance Movement – rotzig, rauchig, rockig, britisch

Krawalle statt Demokratie in der Schanze

Twitter brummte, die Nachrichtenmagazine berichteten – wenn auch für manchen zu einseitig – und am Tage danach schreiben sie alle ihre Empörung vom Herzen. Ich war nicht dabei bei den Ausschreitungen in der Schanze am 21.12.2013. Die Einen schimpfen auf die Demonstranten, die Anderen auf die Polizisten. Es sind immer “die Anderen” schuld.

Schauen wir uns die Ereignisse aus der sicheren Entfernung an. Für den gestrigen Sonnabend war eine kombinierte Demonstration angesagt. Es ging um Lampedusa, die Rote Flora und die Esso-Häuser. Menschen wollten ihren Unmut Ausdruck darüber verleihen, dass der Senat eine schlechte Flüchtlingspolitik betreibt, dass das Kulturzentrum Rote Flora saniert werden soll und dass die vom Einsturz bedrohten Esso-Häuser an der Reeperbahn erhalten bleiben sollen. Jeder hatte seine irgendwie gearteten Gründe, man sammelte die Kräfte. Wenn die Menschen, denen etwas an den sie umgebenen Umständen liegt und die damit unzufrieden sind, wenn diese Menschen in Ruhe demonstrierten, dann wäre das alles in gesitteten Bahnen abgelaufen.

Auf der anderen Seite sind die von vielen als böse “Bullen” verschrienen Polizisten. Diese werden alle über einen Kamm geschoren und als Aggressoren gesehen. Wie gesagt, ich war nicht anwesend und kann nicht sagen, wer wann den ersten Stein schmiss. Aber versetzen wir uns mal in einen Polizisten. Ja, es gibt auch schwarze Schafe unter den Ordnungshütern, solche, die ihr Amt ausnutzen, um Macht auszuüben und das in Form von “legitimierter Gewalt”. Ich behaupte jedoch, der Großteil der Polizisten ist eher auf dem “Tripp” für Ordnung zu sorgen. (Übrigens sorgt eine entsprechende Schutzkleidung automatisch für ein anderes Körpergefühl und eine gewisse Überlegenheit – das kann man auch nicht zum Vorwurf machen. Das passiert unbewusst.)

Wenn ein Polizist eine Schülerdemo begleitet oder einen Laternenumzug eines Kindergartens, gehen die Polizisten wohl anders an den Arbeitsauftrag heran, als an eine Demo in der Schanze. Sie könnten ebenso gelassen zu solchen Demonstrationen gehen, doch seit einigen Jahren zeigen die 1. Mai-Krawalle in ebender Schanze, dass es nie bei einer friedlichen Demonstration bleibt. Also ist es nur verständlich, wenn man – auch zum eigenen Schutz – aufrüstet und dementsprechend angespannt und nervös zum Arbeitseinsatz geht. Liegen erst einmal die Nerven blank, dann – so schlimm es im Nachhinein auch ist – hängt der Schlagstock leider entsprechend locker. Hand aufs Herz: das würde jedem gehen, der in ein solches “Krisengebiet” geschickt würde.

Auf der einen Seite haben wir also diejenigen, die gegen Unrecht, Gentrifizierung oder Finanzhaie demonstrieren wollen. Auf der anderen Seite sind die Ordnungshüter, die eigentlich einen entspannten Job haben könnten. Wenn da nicht die üblichen Krawallmacher wären. Laut Zeitungsberichten waren etwa 8000 Protestler in der Schanze, davon mehr als die Hälfte jedoch Herrschaften, die jedes Mal solche Plattformen nutzen, um einfach nur Gewalt auszuüben. Nähme man diese Leute raus – wäre die Demonstration ruhig verlaufen.

Schaut man sich jedoch Fotos an, sieht man schon, dass es den berüchtigten Schwarzen Block gab. Vermummte, die sich verhüllen, weil sie nicht erkannt werden wollen. Warum wollen sie das nicht? Weil sie unerkannt Gewalt ausüben wollen. Sie wollen sich schlagen, Steine schmeißen, fremdes Eigentum zerstören oder mit Raketen auf Rettungspersonal schießen (wie ich in einem Tweet las). Ihr seid die größten Idioten schlechthin!

Ich mache den Demonstranten keinen Vorwurf, dass sie ihre Meinung kundtun wollen. Ich mache auch den Polizisten keinen Vorwurf. Nur den dummen Menschen, die zu einer Demonstration gehen, um dort Krawall und Unruhe zu stiften. Diese Herrschaften haben keine politische, soziale oder andere Meinung. Sie wollen nur Gewalt säen. Gewalt um der Gewalt willen. Sie holen sich ihren “Kick” aus dem, was sie da machen. Dass dabei Unschuldige verletzt und in Angst versetzt werden, ist ihnen völlig egal. Ja, ein Kessel ist nicht erlaubt. Wenn Unbeteiligte oder einfache Demonstranten darin gefangen gehalten werden, dann ist das pure Freiheitsberaubung. Wenn hingegen die Idioten eingekesselt werden – muss ich sagen -, habe ich kein Mitleid. Dann dient das nur der Prävention weiterer, sinnloser Gewalt.

Noch einmal: Wenn ein Polizist Gewalt anwendet, dann ist das an sich schlimm. Aber bitte einmal in seine Situation versetzen. Der Polizist weiß, dass dort eine Vielzahl von gewaltbereiten Randalieren ist. Würden Sie in der Situation ganz gelassen bleiben? Ein fröhliches Lied auf den Lippen haben? Ich denke nicht.

Schade ist es immer wieder, dass Krawallmacher das demokratische Werkzeug einer Demonstration missbrauchen, nur um ihren Spaß an der Gewalt auszuleben. Was fehlt diesen Menschen, dass sie sich schlagen wollen? Noch einmal wiederhole ich: da steckt keine politische oder soziale Meinungsäußerung dahinter. Es handelt sich hierbei nur um dumme Menschen, die offensichtlich irgendein Defizit haben, dass sie in Gewalt flüchten lässt.

Darunter leiden: die echten Demonstranten, die Polizisten, alle Unbeteiligten und auch die Demokratie.

Schande über Euch Krawallmacher!

Macht das Internet einfacher!

Jeremy Keith spricht mir aus der Seele mit seinem Vortrag The Power of Simplicity. Diesen hielt der Brite auf der border:none-Konferenz im Oktober in Nürnberg. Er benötigt einige Minuten um in die Puschen zu kommen, dann geht er aber in die Vollen und ich saß vor meinem Rechner und habe ihm applaudiert.

Was wollen wir im Internet? Runtergebrochen ist das Internet dazu da, um uns Informationen zu geben. Entweder holen wir uns Informationen ab oder wir teilen sie. Das ist das, was das Internet ausmacht. Die einfachste Form der Informationsverteilung ist, wenn wir unseren Text in ein strukturiertes HTML-Dokument einfließen lassen. In irgendeinem Browser geöffnet, können wir die Information abrufen, egal wie hoch oder breit, neu oder alt der Browser ist. Als nächster Schritt kommt das “Anmalen” mit Hilfe von CSS. Wie soll der Text aussehen? Wo steht er innerhalb meines Browserfensters? CSS ist schön – die Information wird dadurch aber nicht aktueller oder besser oder richtiger.

Als letzte Schicht der “Plattform Web” — Jeremy mag den Begriff nicht und erklärt auch warum — kommt JavaScript oben drauf: lasse etwas animieren, einen Layer aufgehen, ein fehlerhaftes Formularfeld optisch hervorheben. Auch hierdurch wird die eigentliche Information nicht besser. Lediglich die Darstellung wird erweitert.

Die Herrschaften, die die so genannten Native Apps “dem Web” vorziehen, weil “das Web” zu inflexibel sei, die schauen die die gesamte Situation aus der falschen Richtung an, so Jeremy — und ich kann nur zustimmen. “Native Apps”, also Programme, die für ein bestimmtes Betriebssystem geschrieben sind — namentlich mobile Betriebssysteme wie Apples iOS oder Android, aber auch das mobile Windows oder gar Blackberry — lassen sich pixelgenau vermessen, wobei auch das mit den unterschiedlichen Geräten mittlerweile immer schwerer wird. Das “native Web”, also das, was wir lange Zeit ausschließlich auf dem Desktop-Browser betrachtet haben, kann da viel mehr. Es ist einfacher und dadurch viel flexibler, viel mächtiger als es eine “native App” jemals sein könnte. Die Information wird auch nicht besser, wenn wir sie über den Monitor unseres Smartphones wischen können.

Noch mal: Es geht um Information. CSS macht diese schön. Wobei das nicht einmal pixelgenau sein muss — es soll gar nicht pixelgenau sein! Das ist die Macht, die man beim Gestalten von Informationen hat, arbeitet man “im Web”. Um den höchsten Grad an Flexibilität zu erreichen, also möglichst “alle Geräte da draußen” anzusprechen, muss man nicht komplizierter denken, sondern einfacher.

Auch richtig: Schaut man sich den Vortrag an, kann man nur zustimmen. Lustigerweise kommt dann stets ein “Aber …” auf. Frei nach dem Motto Ja, ich finde den Ansatz toll und richtig, aber wie soll ich das meinem Chef/Kunden klarmachen?. Tja, darauf kann Jeremy nur antworten, dass er nicht Deinen oder meinen Chef kennt. Daher ist es Aufgabe des Entwicklers, für seine Überzeugung einzutreten, sich gerade zu machen und auch den Geldgebern das Prinzip Internet deutlich zu machen. Das wird dann wohl der schwerste Teil des Entwicklerdaseins …

Eindrücke vom Halbmarathon 2013 in Hamburg

Eigentlich wollte ich einen Kumpel die berühmten Worte Quäl Dich Du Sau! zugerufen haben, aber in der Menschenmenge habe ich ihn nicht gefunden. In Hamburg war an diesem Sonntag Halbmarathon. Die letzten Skater waren gerade durch, als ich mich beim Altonaer Rathaus hingestellt und auf die Läufer gewartet habe. Zunächst die Spitze. Schon war sie vorbei. Dann vereinzelt einige Kämpfer, bis die große Meute kam.

Es ist schon lustig, die Läufer bei ihrer Tätigkeit zu beobachten. Es gibt so unglaublich viele Variationen von “Laufen”. Einige halten ihre Arme steif am Oberkörper und sehen aus wie laufende Pinguine mit gebrochenen Flügeln. Andere scheinen die Strecke zu hüpfen. Es gibt Läufer, die hauptsächlich den Ballen benutzen und solche, die voll mit der Ferse aufkommen. Ein paar Versprengte waren verkleidet. Ich denke, beim Marathon sind es mehr. Ich sah Teilnehmer, die sich krampfhaft an ihren Flaschen festhielten, in jeder Hand eine. Zwei Läufer hatten Kameras umgeschnallt. Einer vor der Brust, der andere auf der Stirn. Manche schleichen die Strecke, manche rudern unentwegt mit den Armen. Viele liefen mit Kopfhörern. Wieder andere reden miteinander. Da sie am wunderschönen Altonaer Rathaus vorbeikamen, gab es für einige Mitstreiter eine Art Sightseeing-Tour a la … und da ist das schöne Rathaus von Altona. Ohhh.

An der Stelle, wo ich stand, war eine Gruppe mit Klapperbändern, die die Läufer kräftig anfeuerte. Das sieht gut aus! und Schneller. Schneller. riefen die Frauen den Vorbeiziehenden zu. Es schien, als ob die eine Frau ein gutes Viertel der Läufer persönlich kannte. Immer wieder rief sie Namen, Menschen drehten sich um, winkten, lächelten. Überhaupt gab es so einige Marathoniken, die aus der Meute ausbrachen, um irgendwelche Bekannten oder Lieben am Rand der Laufstrecke zu begrüßen. Bei manchen war ein Laufpartner plötzlich alleine, drehte sich um, lief auf der Stelle und rief seinen Kumpel wieder zu sich zurück in die Reihen.

So einem Lauf zuzuschauen ist schon was schönes. Die Anfeuerungsrufe zeigen sehr oft Wirkung. Die Läufer lachen dann in ihrem Schmerz, freuen sich aufrichtig, dass jemand an sie glaubt, wenn sie sich schon beinahe aufgegeben haben. Es gibt Teilnehmer, die sich dann mit weiten Armen bei ihren frisch gewonnenen Fans bedanken und schon sind sie weitergelaufen.

Allen Teilnehmern gilt Respekt. Auch wenn es da einige gab, denen ich nicht zugetraut hätte, dass sie auch nur 100 Meter laufen – sie alle haben sich auf eine über 21 Kilometer lange Strecke gewagt. Jeder läuft so schnell wie er kann. Ich hoffe, alle sind heil ins Zeil gekommen.

Ich würde mich das nicht wagen.