Man stelle sich vor, da kommt ein Iraner, nennen wir ihn Ferhat, mit seinem Köfferchen nach Berlin (Bonuspunkt) und will Deutscher werden. Die Politik im Iran stinkt ihm, die Jahre zuvor hat er gute Geschäftskontakte zu Deutschen gepflegt, nun möchte er hier leben.
Ferhat, der alte Terrorist – sind sie doch alle – wird erst einmal in einen dunklen Raum gesetzt. Ein s.o. und zwei Kameras auf ihn gerichtet. Der Koffer wird ihm zunächst weggenommen. Da geht die Tür auf und ein leicht schmierig grinsender Beamter mit sauberem Anzug betritt den Raum.
„So, so, Du willst also Deutscher werden? Na, da musst Du erst einmal beweisen, dass Du auch ein guter Deutscher bist!“, sagt der Beamte und legt ihm einen Stabel Papiere vor die Nase. Daneben drapiert er einen Bleistift (HB) und einen viel zu kleinen Radiergummi. Ferhat muss in 100 Fragen beweisen, dass er ein guter, ein würdiger Deutscher ist. Der Beamte knallt beim Umdrehen noch schnell mit den Hacken und verlässt den Raum. Das breiter gewordene Grinsen auf des Beamten Gesichts sieht Ferhat nicht. Wo ist er da bloß hineingeraten? Antwort: Nach Deutschland!
Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU) stellte in Wiesbaden sein Konzept eines Einbürgerungs-Test vor. Darin sind 100 Fragen zur Geschichte, zur Kultur, zur Politik und zur Wissenschaft Deutschlands enthalten.
Quickshot – Frage 95 lautet: Welcher deutsche Physiker hat mit seiner Entdeckung im Jahre 1895 die medizinische Diagnose bis zum heutigen Tag revolutioniert? Na? Wer weiß es?
Nach Bouffiers Meinung dürfte Ferhat Deutscher werden, wenn er 50 Fragen richtig beantworten würde. Würde er? Tja, das ist die Frage. Ich denke nicht. Ich denke aber auch, dass der Durchschnitts-Bild-Leser nicht auf 30 richtig beantwortete Fragen kommt. Was machen wir mit diesen Deutschen? Ausweisen? Wohin? So richtig gute Deutsche sind sie ja nicht, wenn sie nicht mal 50% schaffen. Wo schicken wir die hin? Der Hans mit dem Bierbauch und seinem Trainingsanzug wird doch an jeder Grenze ausgelacht. Wenn der in seinem „eigenen“ Land schon rausfliegt, welchen Mehrwert sollte er z.B. für Frankreich haben? Oder Italien? Als Urlauber – okay, aber als Neubürger? Nene.
Und so reist Ferhat wieder in den Iran, während 60 Mio Ex-Deutscher in alle Himmelsrichtungen verstreut werden, auf der Suche nach einer neuen Bleibe. Das wäre dann Zionismus made in Germany.
Somit ist Ferhat weg, all die blöden Deutschen ebenso – nun können wir endlich qualitativ hochwertige Medien produzieren. Klasse. Ach und Ferhat durfte den Test ja auch noch selber bezahlen. Hat Deutschland also vorher einem angeblichen Terroristen noch ein bisschen Geld aus der Tasche geleiert.
Jungs, sagt doch einfach, dass ihr keine Zuwanderer haben wollt! Denn wie gesagt: So mancher Deutscher würde den Deutsch-sein-Test ebenfalls nicht schaffen. Könnte ein Bumerang sein…
Kommentare (3)
ich hab die fragen gelesen – und elendig versagt! ich bin gar nicht deutsche. ich bin gar nicht deutsche? ich bin gar nicht deutsche!!
In den Augen der strammen Rechten gibt es eben Ausländer und Ausländer. Ich frage mich nur, ob man sich über diplomatische Kanäle still und leise zu entschuldigen gedenkt, wenn sich der erste einbürgerungswillige Brite (z.B.) bei seiner Botschaft über den Deutschen Vaterlandstest aufregt.
Oder gibt es da etw. einen Verfahrensweg, der europäischen Mitbürgern gegenüber Ausländern diesen Dumpfsinn erspart?
@Boris: Wahrscheinlich gibt es da Sonderregelungen. Briten sind keine Terroristen. Und die hatten ja auch schon mal Teile Deutschlands verwaltet. Sind also Gute. Immer her damit. Der Rest – der muss den Test machen. Zweiklassen-Gesellschaften, wo man nur hinschaut…