Die andere Art der Architektur

Geht man durch die Städte – egal ob Hamburg, Berlin, Düsseldorf oder sonstwo – sieht man architektonisches Einerlei und Langweile. Architektur war mal spannend, ansprechend, lokal geprägt. Doch in diesem Beitrag soll es nicht um die Art der Bauweise von Häusern gehen. Es gibt auch die Form der Stadtarchitektur, die sich mit der Gestaltung der Städte zwischen, neben und um die Häuser herum beschäftigt. Da gibt es zum Beispiel die Stadtmöbel. Darunter fallen „echte“ Möbel wie Bänke, Blumenkübel aber auch Werbeflächen.

In London – und vermutlich in vielen anderen Großstädten – zählt dazu auch eine recht neue Art der Stadtgestaltung: Poller. Okay, der Poller an sich ist nicht neu. Diese oft aus Metall bestehenden mehr oder weniger dicken Stangen oder Pfeiler sind allgegenwärtig. Oft dienen sie der Abgrenzung eines Areals, so dass hier nicht einfach Autos wild parken können. Möchte man denken, das ist doch nur im Sinne der Fußgänger, der Bürger also. Tatsächlich tauchen immer mehr Poller auf, die nicht unmittelbar, sondern indirekt den Menschen dienen sollen. Oft wird ein Gebäude beschützt. Wir leben in einer Welt, in der der Terror die Art der Stadtgestaltung bestimmt. Poller sollen nicht mehr Autos vom Parken abhalten, sie sollen Terroristen davon abhalten in ein Gebäude zu rasen, es eventuell zur Explosion zu bringen.

Es ist also eine neue Herausforderung für Stadtplaner entstanden: Schütze Häuser, die darin lebenden/arbeitenden Menschen und gestalte das alles so, dass der Normalbürger möglichst nichts davon mitbekommt. Wer will schon – im schlimmsten Fall – eine Straße entlanggehen und dabei alle zwei Meter eine bis an die Zähne bewaffneten Schutzperson passieren? Die entschärfte Version sind Poller, riesige Pflanzkübel aus speziellem Beton oder überdimensionale Buchstabe, aus dem selben Material, das ein heranlassendes Auto ausbremsen soll. In London soll sogar mit den guten alten Wassergräben gearbeitet werden, um den Zugang Fremder zu verhindern.

Top-10 zum Jahresende

Ich kann 2015 schon riechen. Daher noch schnell die Top-Irgendwas rausgehauen. Das mit den Büchern spare ich mir erneut. Ich habe nur alte Schinken gelesen, die irgendwie nicht in so eine hippe Liste reinpassen. Daher hier die Top-10-oder-so für 2014. Wie immer gilt: In loser Reihenfolge ohne Wertung.

Das Jahr 2014 war ein schmales Jahr in Sachen Kinobesuche. Wenn der wichtigste Kinopartner wegfällt, wird es schwer, genügend Filme zur Befriedigung eines Moviejunkies zu sehen. Hier die Top-5 in chronologischer Folge, absteigend.

Filme
Wolfcop — Weil er so herrlich schräg und schlecht war. Ich habe mich köstlich amüsiert.
5 Zimmer Küche Sarg — Ebenfalls auf dem Fantasy Filmfest gesehen und ein echtes Juwel des “etwas anderen” Humors.
Guardians of the Galaxy — Wohl der Blockbuster des Jahres? Das muss nichts heißen, aber ich fand ihn dennoch gut.
Planet der Affen: Revolution — Auch einer der großen Filme im Jahre 2014. Ich hatte Bedenken, ob die Fortsetzung nicht ein Reinfall werden würde, aber sie haben den Stoff gut und behutsam umgesetzt.
Her — Mein erster Film in 2014 und ein so wunderschöner dazu!
Musik
Royal BloodRoyal Blood — Debütalbum der zwei Jungs aus Brighton. Nur Schlagzeug und Bassgitarre ist langweilig? Weit gefehlt! Das Duo rockt mächtig. Irrsinnig gute Scheibe mit Kopfnicker-Garantie!
FlyleafBetween the Stars — Nachdem die letzte Scheibe echt mau war, gab es noch Umstrukturierungen. Lacey Sturm ging weg, Kristen May kam. Und das ist gut! Den Gesang auszutauschen ist immer heikel, bei Flyleaf hat es wunderbar geklappt. Höre ich rauf und runter.
The Tea PartyThe Ocean at the End — Endlich! Nach langer Zeit hat sich das Trio der wohl besten Rockband der 90er wieder zusammengefunden und eine neue Scheibe aufgenommen. Sehr gut geworden, obwohl ich auch anders lautende Meinungen gehört habe.
Niels FrevertParadies der gefälschten Dinge — Sonst nur Rock, hier wunderschöne, traumhafte, herrliche Balladen und Melodien. Komplett anders als der Rest – aber oh so schön.
These Raven SkiesThese Raven Skies — Noch ein Erstlingswerk. Nichts wirklich Weltbewegendes, aber eine Scheibe, die Spaß bringt. Vielleicht bin ich aber auch ein wenig voreingenommen, weil Jeff Martin von The Tea Party mit an der Scheibe gebastelt hat.

Biotonne für alle

Jedes Jahr bringt etwas Neues. Wir freuen uns alle auf neue Gesetze und Vorschriften, die mit Vorliebe ab einem Ersten eines Jahres in Kraft treten. Das sind immer Nachrichten. 2015 wird es auch nicht anders sein. Das kommende Jahr steht schon vor der Tür und die Tinte unter jedem Gesetz ist getrocknet. Es wird Müll geben! Ja, schon klar, es gibt jedes Jahr Müll.

Die Rede ist in diesem Fall von dem Müll, den wir Bürger täglich produzieren. Man muss es nicht erwähnen, dass Jeder viel zu viel Müll produziert. Mülltrennung ist eine gute Sache, um dem Abfall noch etwas Gutes abzugewinnen. Plastik, Styropor und Leichtmetall in die grüne Tonne. Wer eine blaue Tonne hat, entsorgt sein Papier dort, ansonsten geht er – hoffentlich – regelmäßig zu den großen Papiercontainern, die überall in den Städten verstreut stehen. Was haben wir noch? Die graue Tonne für den Rest und die braune für Biomüll.

2015 soll die braune Tonne dann auch Pflicht werden. Wer den Sinn im Trennen des Mülls sieht, muss sich darauf freuen. Tatsächlich habe ich vor Jahren bei meiner Hausverwaltung einmal angefragt gehabt, ob wir nicht auch eine brauen Tonne haben könnten … und wurde ausgelacht! Da hieß es, die Menschen seien ja schon zu doof, ihren Müll auf graue und grüne Tonne aufzuteilen, da wolle ich noch mit einer brauen Tonne dazwischengrätschen? Den Leuten würden doch die Köpfe explodieren! Gut, so bildlich wurde es nicht kommuniziert … aber sinngemäß.

Warum nun eine braune Tonne? Man hat „da oben“ erkannt, dass der Biomüll auch wiederverwertet werden kann. Stichwörter sind Biogasanlagen, Kompostierung und die Verwendung als Dünger. Eine gute Sache also.

Wir sehen jetzt mal davon ab, dass es die Leute gibt, die sagen Warum recyceln? Das aus der grünen Tonne wird eh nachher mit dem normalen Müll vermengt und verbrannt.. Wir schauen darüber hinweg, dass meine Hausverwaltung Recht hat, wenn sie behauptet, die Menschen seien zu dumm zum Mülltrennen. Wir ignorieren auch, dass es – obwohl nur noch zwei Tage hin – bei mir keine braune Tonne gibt. Aber gut, dass es so eine Vorschrift gibt.

Wechselbad der Gefühle mit Niels Frevert

Niels Frevert & Band – Paradies der gefälschten Dinge Tour 2014
Bewertung: 5 von 5

Niels Frevert live im Mojo-ClubNach der lang ersehnten neuen Scheibe von Niels Frevert gab es dann auch eine ebenso ersehnte Tournee. Vorletzte Station war die Heimat Hamburg. Dafür ging es hinab in den Mojo-Club, der am Ende sehr voll war.

Frevert trat mit Band auf, einer vierköpfigen Verstärkung, bzw. einer weiteren dreiköpfigen Bläser-Unterstützung. Die war jedoch nicht immer anwesend. Natürlich spielte Frevert in den knapp 105 Minuten seine neue Lieder, doch mischte er sie immer wieder mit alten Stücken. Man merkte, dass das – wie heißt es so grässlich? – “mitgewachsene Publikum” bei den jüngeren Liedern nicht so sattelfest war, was die Textsicherheit anbelangte. Aber wenn “Klassiker” gespielt wurden, sangen die Zuschauer lautstark mit. Sogar ich. Und ich singe schon lange nicht mehr auf Konzerten mit …

Die Weisen des Herrn Frevert sind, wie schon oft beschrieben, so schön, so sehr ans Herz gehend, dass einem selbst bei hohen Temperaturen und stickiger Luft so manches Mal ein Schauer über den Rücken lief. Kein metaphorischer, sondern ein echter Schauer, so sehr gehen einem die Lieder, erst recht in der Liveversion, unter die Haut.

Irgendwann nahm sich Frevert einen Hocker und spielte ruhige Stücke. Bei 1m2 Regenwald, fing die Dame schräg vor mir sogar an zu weinen, so sehr geht dieses schwermütige Stück einem nahe. Gefolgt von Du kannst mich an der Ecke rauslassen und schließlich Tankstelle im Wald von der Schwarzen EP, dann einem enorm kraftvollen Seltsam öffne mich, wo das Mojo bebte. Alle auf der Bühne haben alle auf dem Rang und vor der Bühne mächtig eingeheizt, nur um in der zweiten Zugabe das Gitarren-Solostück Aufgewacht auf Sand zu spielen. Was für ein Kontrast. Das Konzert wurde mit Niendorfer Gehege beendet und ein schöner, wenn auch zu kurzer Abend ging zu Ende.

Schaute man sich während des Konzerts mal ein wenig in der Nähe um, konnte man eigentlich auf jedem Gesicht entweder ein Lächeln sehen oder konzentrierte, in sich gekehrte Beschäftigung mit dem auf der Bühne Dargebotenen. Die Musik von Frevert hat jeden berührt. Der so bittersüße Part in Morgen ist egal wurde live ebenfalls hervorragend dargeboten, auch hier löste sich beim Zuschauer die Sehnsucht in einem Seufzer. Interessant war das Verhalten der Zuschauer bei Ich würde dir helfen, eine Leiche zu verscharren, wenn’s nicht meine ist, das eigentlich traurig ist, doch so gespielt wurde, dass der Saal beinahe auszurasten schien.

Frevert, der nicht gerade bekannt dafür ist, eine “Rampensau” zu sein, bzw. mit dem Publikum großartig zu interagieren, hatte bei diesem Auftritt doch ungewohnt mehr Redeanteil. Eine technische Unschönheit im letzten Stück vor der ersten Zugabe ließ ihn zudem emotional werden, indem er den Tontechniker beim Verlassen der Bühne vor die Brust stieß.

Unterm Strich ein wunderschönes, herzerwärmendes Konzert. Ein Konzert, das man mit möglichst vielen Menschen teilen wollte.