Glücksspiel mit dem Bus

InKürze-Broschüre vm HVV und PVGIm Süden ist der Winter noch einmal ausgebrochen, Kleinstädt. sind sogar vom Schnee eingeschlossen. Davon können wir in Hamburg nur träumen. Zwar fielen Anfang der Woche ein paar Schneeflocken, die sind aber auch schon längst Geschichte. Nur kleine weiße Häufchen an den Straßenrändern hier und da erinnern an längst vergessenen Schneefall.

Kalt ist es aber immer noch. Schon seit einiger Zeit schummeln wir uns um den Gefrierpunkt herum, mal mehr, mal weniger. So gut wie immer fühlt es sich jedenfalls echt kalt an.

Es ist dunkel. Der Bus ist gerade vor der Nase abgefahren. Da steht man und wartet. Und wartet. Langsam kommt dieser immer wiederkehrende Groll auf den ÖPNV auf. Drei Buslinien fahren direkt vor der Tür vorbei, alle mit dem gleichen Ziel, einer davon ist sogar ein Metrobus. Da möchte man doch meinen, dass die Beförderung in einem Bus einen nicht unmöglich zu erfüllender Wunsch darstellt. Denkste. Man steht, die Kälte zieht langsam bis in die Knochen, der Schal ist bis über die Nase gezogen, die Brille beschlägt immerzu — und kein Bus kommt.

Doch Halt! Da hört man doch den typischen Bass eines fahrendes Busses!? Allerdings ist das nur bereits der zweite Bus, der in die Gegenrichtung fährt …

Irgendwann weiß man, was der Spruch „Sich den Allerwertesten abfrieren“ bedeutet. Still verabschiedet man sich von seinem Sitzapparat. Gedanken kommen auf, wie: „Hätte ich nur gewusst, dass hier nur an Schalttagen ein Bus vorbeikommt, wäre ich zu Fuß zum Bahnhof gegangen. Dann wäre ich jetzt schon dort und durchs Laufen wäre mir auch warm.“ Dieser Gedanke fängt an, im Hinterkopf zu nagen. Soll ich? Soll ich nicht? Wenn ich jetzt gehe, dann kommt der Bus bestimmt. Also warten. Und warten.

Gerade, als man sich ausmalt, was wohl auf dem eigenen Grabstein stehen wird, kommen gleich zwei Busse auf einmal an. Toll! Einer davon hätte nicht rein zufällig früher kommen können?

Mit steifen Gliedern wankt man in den Bus, lässt sich auf einen Sitz fallen — da erblickt man an der Wand diese kleine Broschüre namens „InKürze“. Darauf: Ein Bus und zwei Würfel. Man wird sich der Ironie bewusst: Stimmt, einen Bus zu erhaschen ist hier ein Glücksspiel. Man muss richtig würfeln, dann schaut der HVV auch mal vorbei. X-(

Tatsächlich handelt es sich um eine Informationsbroschüre, die Auskunft über z.B. neue Bustouren gibt, warum der Busfahrer auf der Autobahn nur 60 km/h fahren darf oder woher diese Anzeigetafeln wissen, wann ein Bus kommen wird. Alles schön und gut — auf meiner Strecke wäre mir auch der eine oder andere Extra-Bus lieb. Oder auch gerne so eine schicke Anzeigetafel, die einem sagt, an welchem Tag der nächste Bus erscheinen wird. (Dank Preiserhöhung könnte sich der HVV die doch außerhalb der Innenstadt leisten!?) Damit Bus fahren nicht zum Glücksspiel wird.

Einziger Vorteil: dieses Glücksspiel macht wohl nie süchtig, kann bei der momentanen Kälte aber gewiss gesundheitsschädlich sein.