Vor beinahe drei Wochen habe ich beim Altonaer Baudezernenten Dr. Reinhold Gütter per eMail angefragt, was denn auf dem Eckgründstück Bülowstraße/Bülowstieg gebaut werden würde. Bis heute keine Antwort.
Letzte Woche durfte ich erfahren, dass eine Nachbarin offensichtlich bei dem Laden von Gütter arbeitet. Sie meinte, sie wüsste auch nicht, warum eMails an „die da oben“ nie beantwortet würden, was die damit machten. Außerdem erfuhr ich, dass das Grundstück früher einmal der Schulgarten des auf der anderen Straßenseite befindlichen Gymnasiums Altona war. Nicht, wie ich annahm, ein Garten für die Kinder des nahe gelegenen Kindergartens. Und was bauen die da nun? Einen neuen Garten? Nein. Seit zwei Tagen steht ein Schild auf dem Grundstück, das informiert (im Gegensatz zu Herrn Gütter).

Aha! Das wird also eine „Erweiterung der Cafeteria und Chemie-Fachräume“. Einmal abgesehen davon, dass das eine seltsame Kombination ist — unten die Cafeteria und oben die Chemie 😉 — fiel mir ein, dass immer weniger Schüler Interesse an Chemie haben. Das Fach wird so schnell wie möglich abgewählt. Wieso also baut man die Chemie aus? Ich weiß, dass früher (und auch noch heute) in dem Gymnasium die die Schule begleitende Ausbildung zum CTA absolviert wurde. Aber ist der Andrang wirklich so groß? Oder handelt es sich mal wieder nur um eine völlig veraltete Planung, die erst jetzt durchgekommen ist?
Was natürlich auch sein kann: Da Hamburg gerne Schulen dicht macht (nur derzeit, kurz vor der Wahl 2008 komischerweise nicht – da gibt es seltsam viele „Sondergenehmigungen“), könnte man vermuten, dass die Chemie-Schüler einer anderen, bereits geschlossenen, oder demnächst in Rente gehenden Schule dort mit unterrichtet werden sollen. Dann bräuchte man natürlich den Anbau.
Naja, das müssen die wissen, was ich nur weiß: Der Bau erinnert mich an die hässliche Klotz-Architektur der HafenCity. Nicht so prickelnd… 🙁
Kommentare (5)
Nun, eines ist klar: die deutsche chemische Industrie klagt über Nachwuchsmangel – und: sie ist durchaus bereit, Geld in die Nachwuchs-Rekrutierung zu stecken. Ich könnte mir deshalb vorstellen, dass „Drittmittel“ auch im schulischen Bereich gebräuchlich werden. Oder ein Art Sponsoring: „dieser Chemie-Leistungskurs wird unterstützt von der Baiersdorf AG und der BASF“. Bleibt noch das Problem, die Schüler für Chemie zu interessieren …
Die Architektur: das Übliche. Also geflegte Langweile, Bauhaus-Light. Keine Experimente! (Unpassend für ein Gebäude, dass Laborräume enthälten wird.) Dass die Cafeteria unten ist, macht Sinn, eine Cafeteria braucht normalerweise keinen geschlossenen Abzug mit Aktivkohlefilter.
Ich bin eben noch einmal dran vorbeigefahren. Dieser Klotz passt so überhaupt nicht zu den Häusern drum herum. Null. Da ist auf der einen Seite ein umgebauter Bunker, dann Häuser aus der Vorkriegszeit mit rotem Backstein und Türmchen und schließlich die Schule selber, die etw. 140 Jahre alt ist. Und dann so ein HafenCity-Bauklotz… Stört. Aber es muss ja immer gaaaanz trendig sein.
Dass die Cafeteria unten ist, ist natürlich klar. Ich fand nur die Kombo Räume zur Essensbereitung und Räume in denen mit Chemikalien gearbeitet wird, recht interessant… 😉
„Trendig“ war dieser Architekturstil das letzte Mal so um 1930 …
Hmm, ich finde, den alten Bauhaus-Stil doch noch anders, als das, was sie heute an Klötzen bauen.
Wobei ich schon Recht geben muss, dass der Cafetria-Entwurf noch mehr Bauhaus ist als die Klötze, die sie in der HafenCity hingeworfen haben.
Ja, der alte Bauhaus-Stil war durchdacht und kreativ. Die „Klötze“, die später gebaut wurden, waren weder das Eine noch das Andere. Was ich meinte: die Cafeteria ist im Grunde Ende-20er-Jahre Historizismus. Womit sie sich schon positiv z. B. von der eher einer Architektur-Mode („so baut man jetzt in Düsseldorf und Berlin“) als einem Stil geprägte Hafen-Zittie-Architektur abhebt.