Als Johannes Paul II. abtrat und die Welt gen V-City schaute, wer denn nun sein Nachfolger sein sollte, da war mein Wunschkandidat ganz bestimmt nicht der J.A.R. aus Marktl, sondern ein jüngerer Anwärter aus Italien. Frisches Blut hätte den Robenträgern wirklich mal gut getan. Aber nein, es musste ja wieder einer sein, der die alten Brüder unterstützt.
Dass Benedikt XVI. von „anno dazumal“ ist, zeigt sich ja nicht nur in der Tatsache, dass Kondome als Verhütungsmittel bei den Katholiken weiterhin absolut tabu sind, sondern auch darin, dass die Diskussion, ob AIDS-Kranke Kondome benutzen dürfen schon ziemlich lange dauert. „Überlegt“, „wägt ab“, heißt es da – zu einer klaren Aussage reicht es jedoch anscheinend nicht. Die Presse hat aber schon einmal etwas zum Fressen bekommen. So kann man es auch machen…
Doch Verhüterlis haben mich gar nicht zu der Aussage kommen lassen, dass der Papst veraltete Ansichten hat. Mir stieß es sauer auf, als ich einen Artikel über die musikalische Verwurstung von Dantes Göttlicher Komödie las. Dantes Gang durch die Hölle wird musikalisch durch Rock-Musik dargestellt. Denn dem Komponist Monsignor Marco Frisina ist es ganz klar: Rockmusik ist die Hölle pur, hat etwas Teuflisches, verführt unsere Jugend, ach alle Menschen und öffnet die Tore zur Verdammnis auf Erden. Doch das Schönste: Benedikt XVI. stimmt dem zu.
Wie bitte? Was für eine weltfremde, völlig veraltete, Besen-im-Hintern-Meinung ist das denn? Rock als Teufelswerk? Wann haben die zuletzt mal guten Rock gehört? Oder hören die nur solche Dinge wie von der schwedischen Band Funeral Mist? Liest man sich deren Texte durch, kann man schon – das gebe ich zu – zu dem Schluss kommen, dass diese Musik satanisch ist. Aber das ist auch kein Rock, sondern Black Metal. Da ist schon ein kleiner Unterschied (auch wenn Metal aus Rock hervorgegangen ist). Erst informieren, dann rumplustern; und endlich einmal in der Jetzt-Zeit ankommen bitte.
Einmal davon abgesehen, dass ich niemals dem „Wir sind„-Spruch zugestimmt habe, nach solchen Aussagen, kann man den Mann doch nun wirklich nicht erst nehmen.
Es geht härter
Ebenfalls nicht ernst nehmen kann ich die freundlichen Bayern von Christen für die Wahrheit. Ich suchte nach Aussagen zu satanischer Musik und dabei stieß ich auf dieses lustige Völkchen, das, wie es scheint, die letzten 100 Jahre immer in einem Bergtal gelebt haben muss. Denn auch die Jungs verteufeln die Rockmusik und schmeißen Elvis, Marilyn Manson, Jimi Hendrix und David Bowie in einen Diabolo-Topf. Diese Musiker wollen, bzw. wollten mit ihrer Musik uns alle nur beeinflussen und verführen. Ja, nee. Is‘ schon klar…
Große Augen habe ich übrigens auch gemacht, als ich zum „Schock-Rocker“ Marilyn Manson folgendes las:
Er wurde Zeuge ritueller Verbrennungen von Rock-LPs und der Bekämpfung von Queen als satanischer Gruppe wegen ihrer Bejahung der Homosexualität.
Da kann man ja nur Satanist werden. — Ich möchte noch anmerken, dass mir Mr. Mansons Aussage zum Schulmassaker von Littleton in Michael Moores Film Bowling for Columbine sehr gut gefallen hat. Moore fragte den bleichgesichtigen Mann, was er den Kindern aus der Schule, oder den Leuten aus der Gemeinde sagen würde, wenn sie vor ihm stünden. Manson antwortete:
I would’t say a single word to them, I would listen to what they have to say and that’s what no one did.
Quelle: imdb.com
Manson – dessen Musik ich übrigens nicht höre – gab einen sehr klugen Spruch ab. Klüger als so manche Aussage vom 6h-morgens-Bibelleser Bush. Doch das ist wieder eine andere Geschichte…