
Es ist gar nicht so lange her, da führte mich mein Weg ins Uni-Viertel. Nicht fragen, warum… – Jedenfalls sah ich dort zum ersten Mal dieses Plakat. „Hamburg hat zu viele Kinder“ schreit es einem entgegen. Als ich das las, kam mir ein lautes „Ha!“ über die Lippen. Schwachsinn, dachte ich mir, kam näher an das Plakat und konnte auch das Kleingedruckte lesen. „Hamburg hat zu viele Kinder, die in Armut leben.“ heißt der Spruch vollständig. Okay, dem konnte ich dann doch nur traurig zustimmen. Gute Werbung von der Hamburger Arche. Erst das Gesamtbild ergibt Sinn. Es lohnt sich also, etwas genauer hinzuschauen.
Hinzuschauen lohnt es sich auch immer, was der Blätterwald einem so verrät. In der taz kann man nachlesen, dass der amtierende CDU-Senat zu einseitig arbeitet, nämlich nur auf der Seite des eigenen Geldbeutels der Wirtschaft. Umwelt? Ein Fremdwort für von Beust und Co. Deshalb hat die GAL dem amtierenden Spaß-EB auch eine kleine Dummie-Fibel zusammengestellt.
Dass Hamburg derzeit zu einseitig fördert (Mehr „Leuchttürme“!) geht aus den aktuellen Hamburger Entwicklungs-Indikatoren Zukunftsfähigkeit (kurz HEINZ) des Zukunftsrats Hamburg hervor (hier als PDF). Darin steht auch, dass, um das Thema mit den Kindern noch einmal aufzugreifen, von Beust und seine Mannen die Kluft zwischen Arm und Reich immer mehr vergrößern.
Dagegen nahmen fünf Prozent mehr Menschen Sozialhilfe in Anspruch, die Arbeitslosigkeit wuchs aufgrund der Hartz-IV-Gesetzgebung nominell besonders stark (21 Prozent) und auch die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss stieg um 4,5 Prozent. (taz)
Wahrscheinlich sollen diese Menschen eh möglichst alle raus aus Hamburg, damit von Beust eine saubere, schöne, ruhige Stadt hat, die nur von Gutverdienern in den Mittdreißigern bewohnt wird. Warum man sich in Hamburg überhaupt noch Kinder (oder Hunde) zulegen sollte, bleibt mir ein Rätsel. Hamburg, Du bist arm dran!
Übrigens habe ich zu diesem, für den Senat doch unangenehmen Thema, in der Springer-Presse natürlich nichts gefunden. Die pinkeln dem Senat selbstverständlich nicht ans Bein… Soviel zum Thema objektive Berichterstattung oder Pressefreiheit.
Aus dem selben Grund werden solche Missstände mit hoher Wahrscheinlichkeit kurz vor der Bürgerschaftswahl im nächsten Jahr — Oh Wunder! — von den viel gelesenen Blättern eher nicht aufgegriffen… X-(