Realsatire zum Abschluss

Das Jahr ist bald vorbei. Schluss. Ende. Neuanfang steht vor der Tür. Am letzten Tag des Jahres werden die Zeitungen dann doch noch einmal „lustig“ und holen ihre besten Schreiber aus dem Keller, damit diese den satirischen Rück-, meistens jedoch den Ausblick schreiben sollen.

Das Senatsblatt kommt mit einer richtig langen Geschichte daher. Glücklicherweise schreiben sie noch extra „Satire“ davor. Man weiß ja nie, wer mitliest und unter Umständen den Blick in die Zukunft für eine wahre, journalistische Leistung hält. Alles wohl recherchiert und so. Den Text finde ich allerdings zu lang. Nett ist die Idee, auf der von niemandem, außer den Politikern und den wohlhabenden Spendern, gemochten Elbdisharmonie rumzureiten. Italienischer Marmor für die Disharmonie-Toiletten? Mehrkosten? Ist alles schon dagewesen. Man erinnert sich an das teure Pflaster auf dem Jungfernstieg – das aus Italien kam. Oder die goldene Toilette des Herrn Freytag. — Der übrigens auch sein Fett abbekommt. Seine ewige Masche, Eigentum der Stadt zu veräußern, um es später wieder anzumieten, ist aufgefallen. Negativ.

Die Konkurrenz zum Senatsblatt, die taz, geht ihre satirische Zukunftsversion der Hamburger Nachrichten anders an. Viel kürzer und knackiger. Auch wird nicht nur an drei Themen festgehalten, sondern wild durcheinander geschrieben. Dabei finde ich die überraschende Kostensenkung bei der Elbdisharmonie erschreckend und witzig. Die Maßnahme zur Besänftigung aller Moorburg-Gegner ist ebenfalls gelungen. Und die Idee, was man mit den Beach-Clubs machen könne, gefällt auch. Pluspunkte für die taz, da sie origineller ist und ihren Lesern zutraut, dass sie das Geschriebene auch ohne „Warnhinweis“ als Satire verstehen.

Das dritte Blatt mit Hamburg-Bezug ist die Mopo. Die hat keinen satirischen Ausblick in der Silvester-Ausgabe. Oder doch? Die Mopo schreibt vom teuersten Rasen Hamburgs, der auf dem Domplatz zu liegen kommt. 3,8 Millionen Euro für einen Rasen. Das macht, so wird vorgerechnet, ein Cent pro Grashalm. Wir in Hamburg, wir gönnen uns schon mal was. Oder auch mal mehr. Nicht die Bürger, aber „die da oben“. Liest man den Beitrag weiter, stolpert man über die Idee, auf dem Domplatz Konzerte zu veranstalten. Wurde die Tage so angedacht. Nur wurde auf der Amüsiermeile Reeperbahn erst für viel Geld der Spielbudenplatz renoviert – auf dass Konzerte dort stattfinden mögen. Die allerdings nicht stattfinden können, weil Musik auf Grund einer Bestimmung an dieser Stelle nur bei Zimmerlautstärke gespielt werden darf (ist so in Hamburg). Anders am Standort des Domplatzes. Nur kommt dort abends kaum einer hin. Da ist sonst nichts in der Nähe. Einmal abgesehen davon, dass bei Konzerten der teure Rasen zertreten werden würde. — Als ich das las, dachte ich an einen Schildbürgerstreich. Leider ist das alles harte Realität, hier in Hamburg.

Mal schauen, wie viel Dummfug „unsere“ gewählten Volksvertreter im kommenden Jahr anstellen werden. Und die werden Schwachsinn anstellen! Da können wir sicher sein …