Wer schon einmal auf dem Hamburger Fischmarkt war, der kennt den Schlachtruf von Aale-Dieter. Der Mann kreischt sich jeden Sonntag die Kehle aus dem Leib. Muss er auch, will er gegen den Bananen-Mann bestehen, der ebenfalls lauthals seine Ware preist. Sehr zum Amüsement der Marktbesucher schmeißen die Jungs dann auch immer wieder mal (eingepackte) Aale bzw. Bananen unters Volk.
Wenn man morgens um 5h auf dem Fischmarkt steht und es einem leicht fröstelt, denkt vielleicht so mancher: „Mensch, jetzt schnell nach Hause, in die warme Bude. Endlich ins Bett.“ Blöde, wenn man z.B. in Wellingsbüttel o.ä. wohnt, denn dann muss man noch eine ganze Ecke mit der Bahn fahren, bevor man sich in seine Federn lümmeln kann. Wäre es da nicht schön, wenn die eigenen vier Wände gleich „umme Ecke“ lägen. So ein Katzensprung, vielleicht in Richtung HafenCity? Ja, das wäre cool.
Nur hat dieses Bild einen kleinen Haken: Wer in der HafenCity wohnt (wohnen wird), der steht bestimmt nicht morgens um 5h auf dem Fischmarkt herum und friert sich den Musculus gluteus maximus ab. Wer in der HafenCity wohnt, der hat Geld. Womöglich arbeitet er auch hart dafür. Da ist keine Zeit, auf dem Fischmarkt rumzugammeln um Aale abzufangen. Die kauft man dann eh im Alsterhaus.
Verbau- und Umweltzerstörungssenator Michael Freytag und sein Chef, EB Beust, loben ständig die HafenCity als lebendiges Quartier und produzieren bunt-schillernde Blubberbläschen in denen sich spielende Kinder, junge Familien und – ganz wichtig! – Fantastillionnen von Touristen spiegeln. Nur… – wenn die Mieten bei 1000 Euro Kaltmiete für eine 80 Quadratmater große Wohnung liegen, dann streichen wir mal ganz fix aus der Blase die spielenden Kinder und die glückliche Arbeiter-/ Durchschnittsfamilie. Die haben da nämlich nichts verloren.
Also: HafenCity ein lebendiges, quirliges Quartier? Ich glaube nicht. Braucht dieser Stadtteil mit seinen Gutbetuchten eine eigene, zwei Stationen „lange“ U-Bahn? Nein. Zumal, wenn der Fischmarkt-Gänger doch eine Wohnung in der HafenCity haben sollte, dann braucht er auch keine Bahn, um ins Bett zu kommen, dort kann er auch so hintorkeln.
Und hört endlich auf, den Bürgern immer so viel Seife in die Augen zu schmieren und alles schön zu waschen. Das ist nur frech.
Kommentar (1)
Die da oben, wir da unten… das kann nicht die Haltung sein. So bleibt auch da, wo Neues entsteht alles beim alten. Stattdessen: Die Stadt ist eine Idee, die allen gehört. Warum die Hafencity einfach den Investoren überlassen? Den Raum den sie bietet, muss man sich erobern. Guck mal unter http://www.volkskunst-hafencity.de oder auf http://www.bauzaunkunst.de – und lass dich lieber inspirieren statt frustrieren 🙂