Nicht nicht vergessen

Man nehme einen neuen Stadtteil. Ganz hipp, schnieke, fein, für alle da. Okay, junge Leute sind nicht unbedingt gerne gesehen und Geringverdiener haben eh nichts in der HafenCity zu suchen. Aber im Werbeprospekt steht, der Stadtteil sei für alle da. *höhö*

Nehmen wir also diesen feinen, neuen Stadtteil und legen noch einen profilierungssüchtigen Senat und einen eben solchen Spaß-EB dazu. Dann wachsen dort „Leuchttürme“, „neue Wahrzeichen Hamburgs“. Allen voran die Elbphilharmonie. Sie soll Fantastilliarden von Besuchern und Schaulustigen anlocken, die alle irgendwie in die HafenCity gelangen müssen. Das geht auf verschiedenen Wegen.

Entweder fahren die Opern-Gänger in voller Abendgarderobe und mit dickem Schmuck behangen in der U-Bahn bis zur Haltestelle Baumwall und gehen dann knapp 400 Meter auf einem Weg aus Gold (kommt noch). Oder sie fahren mit Smoking, Pelzen und Stöckelschuhen mit dem ÖPNV zur Haltestelle Jungfernstieg, steigen dort um in die extra gebaute U4 und fahren eine Station mit der Bahn (eine Haltestelle später ist schon Ende der Strecke). Dann müssten sie aber auch noch einmal bei Wind und Wetter durch die schicke HafenCity stampfen, um in den Genuss des Leuchtturm-Klangs zu gelangen. Eine U-Bahnanbindung direkt an der Elbphilharmonie gibt es nicht.

Oder aber sie reisen mit dem Bus an. Schön bis vor die Haustür und schnell bei Schmuddelwetter ins größte Ole-Denkmal geschlüpft. Denkt man sich so. Tatsächlich gibt es dort keine Bushaltestellen. Unsere Muster-Abendgesellschaft muss also auch hier 200 Meter durch das raue Hamburger Wetter waten. SPD-Mann Jan Quast spricht von einer Fehlplanung, während die Behörde nur sagt: „Bus-Anbindung nicht optimal.“

Ich sage: Mal abgesehen von den schaulustigen Kurze-Hose-und-Sandalen-Touristen, die nur „mal schauen“ wollen — konsumieren kommt aus Kosten-technischen Gründen gar nicht in Frage —, wird doch niemand mit dem ÖPNV und anschließend zu Fuß gen Elbphilharmonie reisen. Die Leute werden doch alle mit ihren dicken, fetten, stinkenden, umweltbelastenden SUVs in die Garage der Elbphilharmonie vorfahren. Es wird doch niemand viel Geld für ein Opern-Ticket ausgeben und dann in Abendgarderobe in einer Bahn oder einem Bus rumhocken. Das war keine Fehlplanung. Das war Kalkül. Noch ‚mal schnell ein bisschen Geld mit Grundstücken machen…