Twestival zugunsten von Viva Con Aqua

Wer sagt, dass Spaß und Party nur stumpfer Zeitvertreib sind, der irrt. Als Gegenargument sind die sog. Charity-Partys anzuführen, also Festlichkeiten, die einem guten Zweck dienen. Da denken wir doch alle wieder an große Tanzsäle, reiche Leute, dicke Wagen, Sekt, Presse, Koks.

Viva con AquaEs geht auch kleiner — und ehrlicher. Am 13. September findet mit Blick über die Elbe im Elbwerk Hamburg das Twestival zugunsten des Projekts Viva Con Aqua statt. Weil wir nicht nur in Hamburg sind, sondern auch für ein Projekt aus Hamburg sammeln wollen (auch wenn die Empfänger nicht in Hamburg sind), ist der ganze Spaß noch einmal mehr lokalkoloriert: Zur Unterhaltung steht DJElbe auf der Bühne.

Beim Twestival werden Eintritt (über amiando) und (hoffentlich das gesamte) Getränkegeld dem Projekt Viva Con Aqua, also einem Brunnenbau-Projekt zugeführt. Man tut somit etwas Gutes, hat Spaß, feiert, ist unter Hamburgern (Nicht-Hamburger sind natürlich auch gerne gesehen 😉 ) und nebenbei — um noch einen weiteren Anreiz zu geben — kann man etwas gewinnen. Das Geld der Tombola-Lose geht ebenfalls in den Pott für Viva Con Aqua.

Ich schließ die nicht an

Wie bereits im Mai angekündigt — und so schön rechtzeitig vor der Bundestagswahl — steigt Hamburg nun in das Stromgeschäft ein. Also erst die stadteigenen Stromwerke verhökern, um die ersten „Leuchttürme“ anzustoßen, jetzt das Feigenblatt „Öko-Strom made in Hamburg“ auf den Tisch legen.

Wobei Hamburg zunächst gar nicht selber produziert, sondern auch nur einkauft. Später dann, wenn Weihnachten auf Neujahr fällt, dann soll es auch eigenen Strom geben. Voll öko, voll aus Hamburg.

Tja, der Zug ist, wie schon erwähnt, abgefahren. Auch wenn ich ein Lokalpatriot bin, den Gefallen tue ich Euch nicht! Ich habe schon meinen Ökostrom-Anbieter. Sogar aus Hamburg. Jeder Strom, und sei er noch so öko, der von diesem Verein kommt, den wir jetzt Senat schimpfen, hat einfach den Beigeschmack von Vattenfall …

Ich schließe Hamburg nicht an meine Steckdose an. Versch***en!

Er ist ja so sparsam …

Hamburgs Spaß-EB — wir erinnern uns an seinen demonstrativen „Ich bin einer von Euch und kaufe bei Aldi ein“-Beitrag vor Jahren — weiß selber noch nicht, ob er den Ökostrom aus dem eigenen Stall beziehen möchte. Weil er ja so sparsam ist:

Ich bin ein sparsamer Mensch, werde erst mal die Preise vergleichen. Wenn es preislich stimmt, bin ich dabei.

Sparsam scheint er wohl lediglich in den eigenen vier Wänden zu sein. Und auch nur, wenn es ihn etwas kostet. Wir denken da an diverse Millionengräber in Hamburg — bezahlt vom Steuerzahler. Oder die Sicherheitsverglasung seiner Ferienwohnung auf Sylt — bezahlt vom Steuerzahler. Da ist der EB offensichtlich nicht sparsam.

Na. Hauptsache, die hiesige Presse berichtet von seinen Discounter-Einkäufen …

Die richtigen Freunde muss man haben

Tja, Sammelleidenschaft ist nicht gleich Sammelleidenschaft. Streicht das. Die Leidenschaft ist schon gleich, es kommt nur darauf an, wer sammelt — dann entscheidet sich auch, was mit einer Sammlung passiert.

Sagen wir, man ist lange Jahre Vorstandsvorsitzender eines regierungsnahen Zeitungsverlages. Als solcher hat man nicht nur Millionen, um Exponate zu sammeln, man hat auch die richtigen Freunde. Diese Freunde, erst einmal an der Macht in einer Stadt wie Hamburg, ermöglichen es einem dann, für ’n Appel un‘ Ei den wunderschönen Kaispeicher B in der vom machthabenden Senat ohnehin stark gepuderten HafenCity zu erwerben und in ein (fragwürdiges) Museum umzugestalten.

Ein anderer Sammler hat nicht solche Freunde. Günter Zint hat wohl keine Freunde „da oben“. Der Fotograf hat mit seiner Sammelleidenschaft dem Stadtteil St. Pauli ein Museum beschert. Das ist Hamburger Geschichte! Nicht irgendwelche Marine- und Militärgeschichte …

Zint war nicht im Vorstand eines bestimmten Zeitungsverlags, hatte aber auch etwas mit Zeitung am Hut. Ende der 1960er gründete er die St. Pauli-Nachrichten, die zu dem Zeitpunkt noch keine Sexpostille war, sondern sich eher als eine linke Boulevardzeitung verstand. Und da haben wir den Fehler. Ja, hätte Zint mal etwas mehr fürs rechte Lager geschrieben. Vielleicht hätte die Kulturbehörde dann jetzt auch ein wenig Geld für ihn übrig und könnte das Sankt Pauli Museum vor dem Aus retten. Ende September wird das Gedächtnis St. Paulis aufgelöst und ausgelöscht. Für das Stadtteil-Museum wird kein schickes historisches Kontor in Hamburgs teuerster Lage auf Stadtkosten renoviert und bereitgestellt.

Man muss eben die richtigen Freunde haben. Ob man etwas von „Wert“ sammelt, das von der Stadt unterstützt wird, das entscheidet der Grad der Vetternwirtschaft. Egal, ob das Gesammelte ein Stück Hamburgischer Geschichte ist.

Das St. Pauli Museum hätte wohl eine Überlebenschance, wenn es laut, schrill, knallig, penetrant aufdringlich wäre, wenn dann jemand von „da oben“ in dem kleinen Museum einen „Leuchtturm“ sähe. Bekanntlich werden die in Hamburg mit (dem nicht mehr vorhandenen) Geld überschüttet …

Leser nicht ernst genommen

dumme Umfrage beim SenatsblattOh Mann, da hat das Senatsblatt mal wieder den Vogel abgeschossen … In Hamburg sind über 100 Schulturnhallen geschlossen worden, weil sie mit dem krebserregenden Asbest verseucht sind. Und was macht das Senatsblatt? Stellen die doch tatsächlich die äußerst dämliche Frage, ob die Leser es gut finden, dass die Schulbehörde die Turnhallen geschlossen hat?

Nein, liebes Senatsblatt, das finde ich voll doof. Und wenn der nachgewiesene Asbestwert doppelt so hoch wie der Grenzwert ist – egal! Sollen doch die kleinen Scheißer dort Sport betreiben und die Fasern einatmen. Die sind eh alle zu verweichlicht. Ich sage mal „Nur die Harten komm‘ in Garten!“ Lasst uns nicht nur intellektuell aussieben, sondern auch evolutionär. Müssen wir später auch weniger Geld für Schulen ausgeben und das vorprogrammierte Platzchaos bei der Hamburger Schulreform hätte sich dann auch von alleine gelöst. Das frei werdende Geld könnte man dann wieder ruhigen Gewissens in Leuchtturmprojekte stecken.

Sagt mal, was ist denn das für eine saublöde Frage?! :nene:

Doch das Senatsblatt legt noch einen drauf. Ich stelle mir vor, dass besorgte Eltern (wobei die vermutlich eh schon unterrichtet sind) wissen möchten, ob ihre Schule (oder sagen wir die Nachbarschule) von der Turnhallen-Schließung betroffen ist. Und was macht das Senatsblatt? Ein Klickmonster. Der Leser als Klick-Schwein, nur damit der Verlag damit Geld machen kann. Ist nicht drin! Bitte nicht dort klicken. Hier ist die Liste ohne Klickerei. Alles auf einen Blick. So, wie es sich gehört!

Von der Schließung wegen Asbest-Fund betroffene Hamburger Schulen

  • Albert-Schweitzer Gymnasium (Aula) – Belüftungsanlage der Aula wird gerade inspiziert.
  • Albrecht-Thaer Gymnasium
  • Aueschule Finkenwerder
  • Carl-von-Ossietzky-Gymnasium
  • Erich-Kästner-Gesamtschule
  • Förderschule Brucknerstraße
  • Ganztagsgymnasium Klosterschule
  • Ganztagsschule Großlohering
  • Gesamtschule Alter Teichweg
  • Gesamtschule Horn
  • Gesamtschule Kirchdorf
  • Gesamtschule Öjendorf
  • Gesamtschule Poppenbüttel
  • Goethe-Gymnasium
  • Grundschule Bergstedt
  • Grundschule Lutterothstraße
  • Grundschule Thadenstraße
  • Gymnaisum Altona
  • Gymnasium Corveystraße
  • Gymnasium Dörpsweg
  • Gymnasium Hamm
  • Gymnasium Heidberg
  • Gymnasium Hochrad
  • Gymnasium Kirchdorf/Wilhelmsburg
  • Gymnasium Marienthal
  • Gymnasium Oberalster (2 Hallen)
  • Gymnasium Rahlstedt
  • Gymnasium Rissen
  • Gymnasium Süderelbe
  • H9
  • Hansa-Kolleg
  • Heilwig Gymnasium (2 Sporthallen, Aula, Musikraum)
  • Heisenberg Gymnasium
  • Ida-Ehre-Gesamtschule (Lehrerzimmer, Postraum, Verwaltung)
  • Kurt-Tucholsky-Gymnasium
  • Lessing-Gymnasium
  • Otto-Hahn-Schule
  • Rebus Billstedt (Gebäude Schule Steinfeldtstraße)
  • Robert-Koch-Schule
  • Rudolf-Roß-Gesamtschule
  • Schule Alsterredder
  • Schule Altengammen-Deich
  • Schule Altrahlstedt
  • Schule Am Eichtalpark
  • Schule Am Walde
  • Schule an den Teichwiesen (2 Hallen)
  • Schule an der Gartenstadt
  • Schule an der Glinder Au
  • Schule an der Seebek
  • Schule Anna-Susanna-Stieg
  • Schule Barlsheide
  • Schule Bekassinenau
  • Schule Bonhoefferstraße (auch Musikraum)
  • Schule Böttcherkamp
  • Schule Brockdorffstraße
  • Schule Carsten-Rehder Straße
  • Schule Curlack-Neuengamme
  • Schule Dempwolffstraße
  • Schule Edwin-Scharff-Ring
  • Schule Eenstock
  • Schule Ernst-Henningstraße
  • Schule Franzosenkoppel
  • Schule Genslerstraße
  • Schule Griesstraße (Halle Marienthaler Straße)
  • Schule Hasselbrook
  • Schule Heidacker
  • Schule Hermannstal
  • Schule Hirtenweg
  • Schule Holstenhof
  • Schule Karlshöhe
  • Schule Kielkoppelstraße
  • Schule Königstraße (Halle ist aufgrund von Sanierung geschlossen)
  • Schule Lange Striepen
  • Schule Lokstedter Damm
  • Schule Marschweg
  • Schule Meiendof
  • Schule Mittlerer Landweg
  • Schule Nettelnburg
  • Schule Neuenbergerweg
  • Schule Neugraben
  • Schule Ohkamp
  • Schule Oldenfelde
  • Schule Oppelner Straße
  • Schule Paracellsusstraße
  • Schule Potsdamerstraße
  • Schule Redder
  • Schule Rellinger Straße
  • Schule Richard-Linde-Weg (2 Hallen)
  • Schule Rönneburg
  • Schule Röthmoorweg
  • Schule Rungwisch
  • Schule Schnuckendrift (Halle seit April wg. Hallendecke geschlossen)
  • Schule Schwarzenbergstraße
  • Schule Sethweg
  • Schule Sieker Landstraße
  • Schule Steinadlerweg
  • Schule Sterntalerstraße
  • Schule Stockflethweg
  • Schule Surenland
  • Schule Wegenkamp
  • Sprachheilschule Zitzewitzstraße (auch Aula)
  • Staatliche Schule Gesundheitspflege
  • W2 Halle Klinikweg/Richardstraße
  • Wilhelm Gymnaisum
  • Wolfgang-Borchert-Schule

Quelle ist die Schulbehörde — auf deren Seite ich diese Liste allerdings auch nicht gefunden habe. Naja, die Hamburg-Seite stammt ja aus dem selben Stall wie das Senatsblatt. Da muss ich mich nicht mehr wundern …