Man kennt den Spruch: „Ich hole wohl mal besser mein Boot raus, damit ich nach Hause paddeln kann!“. Den Spruch hört man vermehrt, wenn da oben erneut alle Schleusen aufgemacht werden und das Wasser gewaltig auf die Erde prasselt. Gerade in den letzten Tagen hätte man den Satz vom Schlauchboot bestimmt oft hören können. Fast jeder Tag war verregnet, immer wieder von Trockenphasen unterbrochen. Aber seien wir mal ehrlich: Wer hat schon ein Schlauchboot auf der Arbeit dabei, mit dem er trockenen Fußes in die heimelige Wohnung schippern könnte? Die wenigsten der Leser dürften morgens ein Boot eingepackt haben. Das Butterbrot – ja – aber ein Boot?
Gestern hätte ich es gebrauchen können, das Boot. Nicht, um nach Hause zu kommen, sondern um erst einmal überhaupt ans Fahrrad heranzukommen. Ich glaube in meiner Abwesenheit hatte es etwas mehr geregnet? Die Pfütze war jedenfalls beim Abstellen des Velos noch nicht da. Unverschämtheit …
Ich sage es ja immer wieder: In unseren Breitengraden gibt es nur drei Jahreszeiten: Herbst, Frühling und Herbst.
Als Hamburg noch im Boom-Zeitalter war, benötigte man Platz zum Wohnen für die Arbeiter. Wohnraum war schon damals knapp — wie heute auch. Im 18. Jahrhundert war das Gängelviertel die Wohnstatt der Arbeiter und außerdem die Brutstätte von Krankheiten.
Niedrige Häuser, dicht an dicht, in Straßen, die kaum breit genug für zwei Karren waren, die Häuser überfüllt mit Menschen. So ein Bild bot sich dem Betrachter damals in Hamburgs Alt- und Neustadt sowie dem Großen Grasbrook. Die hygienischen Verhältnisse waren eigentlich nicht existent. Wer an den Fleeten wohnte, der entsorgte seine Notdurft in das selbe Wasser, das er auch trank.
Ende des 19. Jahrhunderts war der Punkt erreicht, wo nichts mehr ging. Hamburg wurde von einer Cholera-Epidemie heimgesucht.
Die Arbeiterwohnungen am Grasbrook mussten der für die Hansestadt so typischen Speicherstadt weichen. Die Kaiser-Wilhelm-Straße schnitt eine Schneise in die Eiterbeule Hamburgs. So kam wenigstens ein bisschen Luft an den Krankheitsherd.
Im Laufe der Jahre wurden die markanten Gängeviertel-Häuser immer weniger. Mittlerweile gibt es in der Hansestadt noch ein Überbleibsel im Bäckerbreitengang zu bewundern. Hier steht allerdings nur noch eine Häuserzeile; und diese verkommt auch noch langsam aber sicher.
Am Michel gibt es zudem im Krayenkamp die Krameramtsstuben. Dieser Mini-Straßenzug gibt ein besseres Bild von den Umständen, wie beengt die Menschen damals in Hamburg gelebt haben. Die Krameramtsstuben sind kommerzialisiert — was durchaus in Ordnung ist, kann so ein Stück Historie wenigstens erhalten werden.
Die Häuser im Bäckerbreitengang haben da nicht so viel Glück. Diese gammeln langsam vor sich hin, der niederländische Investor tut nichts für den Erhalt der Gängeviertel-Reste. 80 Prozent des alten Bestands soll abgerissen oder entkernt werden. Doch der Investor hat Geldsorgen und so passiert erst einmal nichts. Dabei wohnen im Bäckerbreitengang Menschen. Man kann also durchaus sagen, das Gängeviertel ist noch lebendig. Allerdings krankt es.
Wenn der Investor kein Geld hat — warum kauft die Stadt nicht das letzte Stück Hamburger Geschichte und schützt es? Oh, stimmt ja, Denkmalschutz ist in der Hansestadt quasi nicht mehr existent – schließlich leistet man sich dafür kein Personal. Aber Millionen und noch mal Millionen für Leuchtturm-Projekte, glatte und langweilige Fassaden raushauen, Todgeburten künstlich am Leben erhalten, das klappt. Vermutlich, weil irgendwer, irgendwie immer noch daran verdient …
„Alt“ hat derzeit in Hamburg keine Chance.
[flickr-Diashow-URL] (Übrigens erhebe ich nicht den Anspruch, dass dieser Beitrag geschichtlich niet- und nagelfest ist. Das nur am Rande … 😉 )
US Marshal Carrie Stetko muss erneut an den Südpol um einen Fall aufzuklären.
Nachdem US Marshal Carrie Stetko den Mord in der Antarktis hat aufklären können, ist sie nun in wärmeren Gefilden. Doch die Ruhe währt nicht lange. Im ewigen Eis wird eine russische Forschungsstation von Maskierten überfallen, alle Bewohner der Station werden getötet. Die Täter lassen es wie einen Unfall aussehen — und entkommen mit einer geheimen Beute.
Stetkos Vorgesetze schicken die verbitterte Frau an den Südpol, um den Vorfall aufzuklären. Dabei winken sie damit, dass das ihr letzter Auftrag im Eis sein soll. Vorausgesetzt, sie kann den Fall lösen und – nebenbei – ihren russischen Verbindungsmann am Ende über die Klinge springen lassen. Offensichtlich wollen die Auftraggeber nicht alles preisgeben, was den Fall betrifft.
Der Marshal macht sich auf den Weg und findet schnell eine äußerst heiße Spur …
Meinung
Der zweite Whiteout-Band von Greg Rucka (Geschichte) und Steve Lieber (Zeichnungen) um den weiblichen US Marshall Stetko gefällt noch besser als sein Vorgänger. War Whiteout „nur“ ein Krimi in unwirtlicher Umgebung, ist Whiteout: Melt eher ein klassischer Thriller. Internationale Verwicklungen und Spannungen, eine gehörige Portion Politik und fertig ist das Machwerk, das einem dicken Schicken von John le Carré und Co. alle Ehre macht.
Gerade die Beziehungen zwischen den Amerikanern und den Russen sowie der Hintergrund mit der niedergegangenen Sowjetunion machen den Stoff spannend. Nicht zu vergessen die Beute, die die Mörder mitgehen ließen.
Natürlich kommt auch im zweiten Band der Whiteout-Saga die unwirtliche Natur nicht zu kurz. Nicht nur die Russen sind gefährlich.
Wie schon im ersten Teil, so passen auch im zweiten Teil die schroffen, experimentellen Zeichnungen Liebers wunderbar zu der kalten, unangenehmen Umgebung der Antarktis. Farbe würde hier nur stören.