Wie wurde Dr. Horrible so horrible?

Jede gute Geschichte hat eine Vorgeschichte. Manchmal sollte diese besser nicht erzählt werden, wie im Beispiel Star Wars (leider) geschehen und gesehen. Das hätte Mr. Lucas sich und uns ersparen können … — Manche Vorgeschichte ist jedoch sinnvoll, wird sie erzählt. So auch im Beispiel von Dr. Horrible.

War Dr. Horrible schon immer ein so schreckliches Genie? Wie wurde er böse? Wieso liebt jeder Captain Hammer? Wann trat Bad Horse das erste Mal in Erscheinung? Und wann die E.L.E.? All diesen Fragen geht das (unauthorisierte) (Fan-)Prequel Horribel Turn nach. In diesem einstündigen Film sehen wir den Schicksalsschlag, der aus einem kleinen Jungen (na gut, einem pubertierenden Jungen) das böseste Genie der Erde werden lässt.

Wie es schon bei Dr. Horrible’s Sing-along Blog der Fall war, erleben wir auch hier ein Musical voll mit beschwingten Liedern. Da es sich hierbei nicht um ein offizielles Joss Whedon-Projekt handelt und die Vorgeschichte erzählt wird — was junge Schauspieler verlangt — treten hier… naja… junge, unbekannte Menschen auf. Sorry, diesmal kein Neil Patrick Harris, kein Nathan Fillion und auch keine Felicia Day.

Wie es den Anschein hat — irgendwie findet man nichts Gescheites zu diesem Projekt —, handelt es sich um ein Schulprojekt (?) aus Houston, Texas. Einem sehr professionellen Schulprojekt wohl bemerkt! Aber schaut selber:

Any similarity to the characters created by Joss Whedonist, like, totally a coincidence. And by ‚coincidence‘ we mean accidental. And bei ‚accidental‘ we mean fortunate. And by ‚fortunate‘ we mean intentional. And by ‚intentional‘ we mean unauthorized.

O-kay … 😉

[Direkt-Horrible Turn]

Jamie verfolgt

Jamie Cullum - The Pursuit

Bewertung: 4 von 5

Oh, auf die CD habe ich mich richtig gefreut. Lange war es her, dass das „Enfant terrible“ der Jazz-Musik (mit Pop-Einschlag) etwas von sich hat hören lassen. Ich nenne ihn Enfant terrible, weil er mich immer an Jamie Oliver erinnert, der den selben Titel in der Rubrik „Kochen“ hat. Einfach, weil beide wild, jung und rotzig sind. Und: Heck, die stammen sogar beide aus Essex.

Was bietet der 30-jährige Brite auf seiner fünften Studio-Scheibe The Pursuit? Antwort: Einen ausgewogenen Mix.

Die CD fängt jazzig und klavierlastig an. Cullum spielt und man wähnt sich in einer schicken Bar, irgendwo über der Stadt, der Bass brummt und das Beim geht schnell mit. Dann geht plötzlich das Licht an und die Big Band steht mit Blasensemble da.

Die erste Auskopplung I’m All Over It ist zurecht das erste Lied, dass auf das Publikum losgelassen wird, da es einfach ein Gute-Laune-Lied ist. Weniger Big Band, dafür mehr Chor im namengebenden Refrain. Gute-Laune, obwohl es doch um eine Trennung geht – aber die hat er wenigstens gut überstanden. Also hat Jamie auch gut lachen. Wheels, das dritte Lied auf der CD, ist übrigens auch so ein Stück, bei dem unweigerlich den Kopf nickt, obwohl es ruhiger ist, als sein Vorgänger.

Mit If I Ruled The World, I Think, I Love und Not While I’m Around (das ich vom Sweeney Todd-Soundtrack kenne und schätze) bringt Cullum etwas Ruhe in den Silberling hinein. Auch das mir irgend woher bekannt vorkommende Love Ain’t Gonna Let You Down ist ein ruhiger, aber vor allem „schmusiger“ Track. Ja, ich gestehe: den mag ich gerne.

Irgendwie seltsam, weil völlig anders sind We Run Things, das echt schräg anfängt, sich dann aber noch etwas fängt. Mir ist es zu unruhig und düster. Ist eine Atmosphären-Sache. Music Is Through, das mit sieben Minuten längste Stück, fällt ebenfalls aus dem Rahmen. Jazz kann ich hier nicht mehr viel ausmachen. Der Bass stört doch arg. Zudem „bricht“ das Stück für meinen Geschmack zu sehr. Schnell, dann nichts, schon geht es weiter. Zu sehr „Elektro“ für meinen Geschmack. Nicht so dölle.

Zum Schluss gibt es noch zwei „Cool-downer“ mit Gran Torino und Grace Is Gone, die beide sehr ruhig, fast einschläfernd sind. Ich stehe mehr auf die mitreißenden Stücke von Jamie Cullum.

Unterm Strich aber eine tolle Scheibe, die jedem Cullum-Fan gefallen müsste.

Jamie Cullum kommt 2010 nach Deutschland. Freuen dürfen sich die Berliner (31. Mai), die Kölner (2. Juni) und die Hamburger (3. Juni) auf den Briten am Klavier.

Kunst gegen Halligalli

Headline hamburg.de: „Nightlife Hamburg: Die heißesten Parties und die besten Bilder“. Headline berlin.de: „Ausstellung: F.C. Gundlach“. [Quelle]

Ja, da sieht man, wo die Prioritäten bei den beiden Städten liegen. Kann aber auch daran liegen, weil bei der Hamburger Internetpräsenz ein gewinnorientierter Verlag seine Finger im Spiel hat … Ausnahmsweise: Punktgewinn Berlin.

Mit zweierlei Maß

In Hamburg haben wir die Speicherstadt. Früher wurde dort richtig viel Handel getrieben. Wo man so was macht, muss gemessen und gewogen werden. Die Maßeinheiten müssen gleich sein. Klar. Ein Kilo Kaffee ist ein Kilo Kaffee – egal, bei welchem Händler man einkaufen geht. In der Speicherstadt wird nicht mehr so viel gehandelt wie einst (glaube ich). Was auch gut ist. In der Hansestadt wird nämlich mit unterschiedlichem Maß hantiert. Das kann zu Ungerechtigkeit führen. Will natürlich keiner. – Es sei denn, es ist „politisch gewollt“. Der „Klassiker“ seit Schwarz-Grün.

Eine offensichtlich nicht allzu mittellose Interessengemeinschaft ging an neuralgischen Punkten durch Hamburg (ich habe die in Ottensen nicht gesehen) und sammelte Unterschriften gegen die schwarz-grüne Schulreform, die dem Bürger sehr unausgegoren und ungerecht erscheint. Das Volksbegehren dieser Interessengemeinschaft war erfolgreich. Nun kommt Hamburgs Spaß-EB und bietet dem Volksbegehren Verhandlungen an. Man müsse zu einem Kompromiss gelangen.

An anderer Stelle ist der Bürgermeister „Marke Schwiegersohn“ nicht so nett, wie er immer auf den Pressefotos beim Händeschütteln wirkt. Das Volksbegehren Buchenhofwald wird einfach – trotz eindeutigem Ergebnis – vom Tisch gewischt. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen.

Macht natürlich alles Sinn. Das Thema Schule betrifft viel mehr potenzielle Schafe Wiederwähler. Was sind da schon so ein paar Grün-Fanatiker? Wir haben das Wort ‚Grün‘ in der derzeitigen Hamburger Senatskonstellation — das muss an Grün reichen. Ansonsten gibt es so viele Bäume auf der Welt, wen interessiert da ein halber Buchenwald?

Wobei sich die Politiker (aus Altona zumindest) doch äußerst grün geben und Obstbäume anpflanzen wollen. Ist zwar absolut schizophren — aber etwas anderes haben wir auch nicht erwartet. Erst einen alten Obstbestand wegen nicht vorhandener Finanzen abholzen lassen und dann Obstbäume anpflanzen? Hallo? Aber das ist eine andere leidige Geschichte.